Datenschutz - Nachtrag

Mittwoch, Oktober 28, 2009 / von Danielson / Kommentare (0)

Nach dem Erscheinen des letzten Beitrags "Datenschutz" und des Artikels auf Spiegel Online, kamen hier eine Menge Kommentare bzw. E-Mails an. Diese hätten unterschiedlicher nicht sein können: neben Kritik zu meiner Vorgehensweise und der Darstellung, dass dies ein Einzelfall ist und der Aufregung nicht wert, stimmten auch viele zu, dass dieser Vorfall nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte und eine Veröffentlichung durchaus gerechtfertigt ist. 

Die Deutsche Bank reagiert

Um ca. 17 Uhr klingelte das Telefon, ein Mitarbeiter der Deutschen Bank war am Apparat. Nach einem Dankeschön für den Hinweis nannte mir der durchaus eloquente Anrufer der Zentrale in FFM eine interne DB Postadresse - an welche ich die Kontoauszüge schicken könnte. Er versicherte mir, dass dieser Vorfall intern die Runde gemacht hat, dass bei der DB über dieses Thema diskutiert wird, jedoch nicht nur in den entsprechenden Abteilungen sondern auch im Vorstand. 

Feedback

So. Und nun möchte ich auch noch was los werden. Der Artikel ist weder durch "künstliche Aufregung" entstanden, noch mit dem Ziel die Reputation der Deutschen Bank zu schädigen. Jeder macht Fehler, in jedem Unternehmen. Die Frage ist nur: Welche Konsequenzen werden aus den Fehlern gezogen? Es geht hier also um die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen für das Thema Kundendaten und Datenschutz.

Was passiert, wenn ein Privatkunde der DB mit einem Stapel falsch zugeschickter Kontoauszüge in die Filiale spaziert und diese dort zurück gibt? Nun, mit Sicherheit vermag das keiner zu sagen. Ich wage jedoch zu behaupten, dass der Vorstand das mit höchster Wahrscheinlichkeit nie erfahren hätte. Mit Erscheinen des Artikels auf Spiegel Online wurde bei der DB dem Thema Datenschutz die Aufmerksamkeit geschenkt, die es verdient, das zeigt mir der Anruf aus Frankfurt. So und damit schließt sich meine Argumentation auch schon, Aufmerksamkeit wurde bei den Verursachern auf höchster Ebene erreicht und es wurde zum Thema gemacht. Das genügt mir. Da macht sich jemand bei der DB Gedanken zu diesem Thema und es wird nicht auf die leichte Schulter genommen. 

Ein "Einzelfall"

...was viele als Argument zum Zurücklehnen und Entspannen anführen, ist die Vermutung eines „Einzelfalls“. Das kann man zum einen in den Kommentaren, zum anderen im Spiegel Forum nachlesen. Allerdings: wie gering die Zahl derer ist, die den Artikel gelesen haben und sich dann noch die Zeit nehmen zu bestätigen, dass sie ebenfalls schon einmal falsch verschickte Post erhielten, kann sich jeder selbst denken. 

Und was den Vergleich zur Berichterstattung mit Bild.de betrifft - eigentlich wollte ich dazu nichts schreiben, da ich bitter lachen musste... Aber um das klar zu stellen: Die Artikel der Bildzeitung und noch schlimmer: bild.de - sind gespickt mit Vermutungen, Interpretationen und oftmals falschen Tatsachen inkl. verdrehten Aussagen der Beteiligten und unzensierten Bildern/Dokumenten. All das ist hier nicht der Fall und ganz nebenbei gibt es hier auch keinen Trieb mehr „Exemplare“ an den Mann zu bringen. Den Artikel mit Bild.de in Verbindung zu bringen ist also eher ein wenig lächerlich.



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Datenschutz

Dienstag, Oktober 27, 2009 / von Danielson / Kommentare (21)

Vor knapp 2 Wochen erhielt ich Post von der Bank meines Vertrauens - die Deutsche Bank. Ein DIN-A4 Umschlag, gefüttert mit meinen Kontoauszügen der letzten Monate. Da ich versäumt hatte nach dem diesjährigen Umzug der DB meine neue Adresse mitzuteilen wunderte ich mich nicht weiter, ein üblicher Service der Banken die zuerst nicht zustellbaren Kontoauszüge bei bekanntwerden der neuen Adresse nachzusenden. Also blätterte ich kurz durch und war bereits im Begriff das ganze zu den "Akten" zu legen als mir ein ungewöhnlicher Name ins Auge sprang, inkl. Anschrift. Klingt griechisch. Hmh, seltsam, ich blätterte weiter und nach einer Weile wurde mir klar was die Deutsche Bank da verschickt hatte:
Kontoauszug einer fremden Familie - bei der DB gibts das frei Haus: klick
Nicht nur meine Kontoauszüge, sondern auch gleich zusätzliche 38 Seiten einer Familie aus Rüsselsheim. 38 Seiten Kontoauszüge, Tages- und Quartalsabschlüsse, Eingänge inkl. BLZ, Kontonummer, Name und Anschrift. Herzlichen Dank, mein Vertrauen habe ich wohl in die falsche Bank gesetzt. Das der Datenschutz in Deutschland an allen Enden und Ecken bröckelt ist nichts neues, wenn man aber so etwas schwarz auf weiß im eigenen Briefkasten liegen hat, macht man sich schon so seine Gedanken. Was ist zu tun ? Im idealen Fall diesen Pfusch der Deutschen Bank verwenden, um darauf hinzuweisen, das alles was mit Kundendaten zu tun hat SENSIBELST zu behandeln ist. Der Kunde ist Bauer König - und dessen Daten sollten mit höchster Priorität geschützt und dementsprechend behandelt werden. Die Banken nehmen den Verbrauchern tagtäglich viel Geld für Vorgänge ab die meiner Meinung nach unter der Sparte "kostenloser Service" laufen müssten. Buchungen werden elektronisch vollzogen, im Bruchteil einer Sekunde werden die notwendigen Daten bei einem Vorgang übermittelt. So eine Infrastruktur kostet natürlich viel Geld - dennoch: die Gebühren sind teilweise massiv überzogen. Einem DB Kunde werden 5,99 € aus der Tasche gezogen, wenn er Geld bei einer Sparkasse abhebt. Das mag nun bei der Sparkasse liegen, das kann ich nicht beurteilen. Fakt ist jedoch das es zuviel ist, der Leistung keinesfalls entsprechend. Diese Einnahmen könnte man beispielsweise im Datenschutz investieren. Das fängt bei Personal an und hört bei der Wartung von Sortiermaschinen lange nicht auf. 
Ich bin jedenfalls gespannt, was die Deutsche Bank zu Ihrer Lieferung meint. Stay tuned.



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Victory

Montag, November 03, 2008 / von Danielson / Kommentare (1)

Gestern Abend gab der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sein erstes Fernsehinterview seit bestehen der Finanzkrise. In einem recht kurzen Auftritt in der ZDF Sendung "Berlin direkt" nahm er Stellung zu seinen Äußerungen, welche von der Bundesregierung und großen Teilen der Presse äußerst kritisch dargestellt wurde. Ackermann stellte damals klar, "das er sich schämen würde, wenn die Deutsche Bank in der Krise Staatsgeld annehmen müsste."
Seit dem Mannesmann Prozess wird der Vorstandvorsitzende der größten deutschen Bank von vielen verbunden mit dem Image des gierigen, überbezahlten Managers - der das Geld der Angestellten und der kleinen Leute in die eigenen Taschen schaufelt. Sinnbild für dieses Profil war eine Aufnahme die wohl jeder kennt, das Victory Zeichen welches Ackermann nach dem Mannesmann Prozess vor den Kameras zeigte. Während des gesamten Interviews (das im übrigen bereits am Sonntagmittag aufgezeichnet wurde) versuchte ZDF Moderator Peter Frey immer wieder, Josef Ackermann mit dem Gegenwind zu konfrontieren, der ihm aus der Öffentlichkeit bzw. der Presse entgegenzog. Der Manager nahm die Äußerungen nicht zurück, im Gegenteil, er bekräftigte diese mehrfach und wiederholte seine Einstellung zum Rettungspaket der Bundesregierung, das 500 Milliarden Euro aus dem Steuertopf vorsieht um die Bonität der Banken zu garantieren. Desweiteren teilte er die Bankenwelt in 3 Klassen auf, die starken, die den "Rettungsschirm" nicht nötig hätten, jene die nicht so gut dastünden und eventuell auf das Paket zurückgreifen sollten und solche , die gerettet werden müssten und das Paket in Anspruch nehmen sollten. Moderator Peter Frey versuchte (für meine Begriffe ziemlich hilflos) immer wieder durch Zitate die im Bundestag gegen die Deutsche Bank gefallen sind, ihn aus der Reserve zu locken. Der Banker reagierte darauf gelassen mit der Aussage, das die Deutsche Bank nicht Mitglied des Bundestages sei und nicht zurückschreien könne und wolle. Nun fragte ich mich bereits vor dem Interview was die ganze Aufregung um die Äußerungen Ackermanns eigentlich soll. Mann kann von dem Mann halten was man will, Tatsache ist doch aber das die Deutsche Bank Gewinne einfährt, und das in einer Zeit, in der viele Banken reihenweise umfallen weil sie sich verzockt haben, weil sie das Geld Ihrer Kunden zu riskant angelegt haben. Wenn behauptet wird, das Ackermann durch seine Einstellung es anderen Banken schwermacht, das Geld der Bundesregierung anzunehmen, so wäre das in etwa das gleiche, als behaupte man das der neue Zweitwagen des Nachbars dazu beitragen würde, das andere Bewohner des gleichen Hauses zukünftig ebenfalls weniger auf den Umweltschutz achten. Böser Nachbar. Meine Meinung: Wenn ein Bankvorstand nicht in der Lage ist, seine Misswirtschaft öffentlich zuzugeben, dann ist er der Verantwortung nicht würdig, für die er (hoch) bezahlt wird. Dann hat er eben schlecht gewirtschaftet und muss nun dafür gerade stehen. Was in diesem Augenblick die Kollegen der Deutschen Bank sagen (oder nicht sagen), ändert nichts an der eigenen Situation der Bedürftigkeit. Wenn die Beispielrolle der deutschen Bank wirklich so groß ist wie von der Politik behauptet, dann wäre es doch logisch (in diesem Fall) Ackermann auf die Schulter zu klopfen und ihn für die weiterhin ausgezeichnete Bonität der Deutschen Bank zu gratulieren. Anstatt ihn immer wieder aufzufordern, Steuergelder anzunehmen - die seine Bank überhaupt nicht nötig hat.



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